Brauerei Gundel Barthelmesaurach

Südlich von Kammerstein ist der kleine, fast versteckte Ortsteil Barthelmesaurach an der B466 gelegen. Doch dieser Ort ist vielen Menschen weit über die Gemeindegrenzen im südlichen Raum Nürnbergs für sein Bier und seine Brauerei Gundel (Nördlinger Straße 15 91126 Barthelmesaurach) bekannt. Ich hatte das Vergnügen diese Brauerei einmal besichtigen zu dürfen und persönlich von Jörg Gundel herumgeführt zu werden.

An der Hauptstrasse im Altort Barthelmesaurach liegt die ursprüngliche Braugaststube und schräg gegenüber auf der anderen Strassenseite befindet sich die Brauerei. Dort hat mich auch gleich der Braumeister Jörg Gundel herzlich begrüsst.

Seine ersten Worte waren, dass sie eine kleine Brauerei sind. Diese Bescheidenheit hat mich gleich überrascht, denn der Bekanntheitsgrad seines Bieres ist wesentlich grösser. Das Gundel Bier wird außer im Direktverkauf nur an wenige ausgewählte Getränkemärkte im südlichen Nürnberger Raum, wie Schwabach und Roth ausgeliefert. Die Philosophie dahinter ist die, dass der Weg zwischen Hersteller und Kunde kurz gehalten wird und somit eine optimale Qualität des Bieres durch die kurze Lieferkette und Lagerzeit erreicht werden kann. Weiterhin kommt der direkte Kontakt zum Kunden hinzu.

Die Brauerei existiert bereits seit 1602 und hieß damals noch zur Krone, bis sie 1887 von der Familie Gundel übernommen worden ist. 1896 wurde dann auch die Braustube erbaut. Die Brauerei selber setzt dabei auf traditionelle Biere nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 und hat einen grossen und treuen Fankreis.

Das Herz der Brauerei ist das Sudhaus, bestehend aus einer Maische-/Würzepfanne und einem Läuter-/Whirlpoolbottich. Hier werden in der Hauptsaison vier mal die Woche jeweils 20HL Sude hergestellt. Dabei dauert ein Maischevorgang, ähnlich wie beim Hobbybrauer jeweils ungefähr 6,5h. Die Jahresproduktion beläuft sich dabei auf 2500HL.

Das besondere am Würzekocher ist, dass es sich um das kleinere Schonkochverfahren nach Kasper-Schulz SchoKolino handelt, indem energiereduzierter, kürzer und schonender die Würze zum Sieden gebracht wird.
Herrn Gundel liegt es sehr am Herzen, dass die verwendeten Rohstoffe aus der Region kommen und bezieht sein Malz hauptsächlich aus der Mälzerei Steinbach in Zirndorf, die wiederum mit Gerste aus der Region beliefert wird. Der Hopfen wird hauptsächlich aus Spalt bezogen und das Brauwasser kommt aus einem eigenen Brunnen. Dabei hat er das Glück, dass das Wasser kaum kalkhaltig ist und nicht aufbereitet werden muss.

Anschließend wandert die Würze über einen Plattenkühler direkt in die Fermenter. Die ausschließlich verwendete untergärige Hefe wird von ausserhalb bezogen.

In den Lagertanks reifen vier bis sechs Wochen lang bis zu zehn verschiedene Biersorten. Das ist eine erstaunlich grosse Vielfalt an Bieren für eine Familienbrauerei. Auch soll bald eine 11. Sorte, ein alkoholfreies Bier, hergestellt durch gestoppte Gärung hinzukommen. Die weissen Lagertanks werden nach und nach durch neue Edelstahltanks ersetzt.

Vor dem Abfüllen wandert nach vier bis sechs Wochen das fertig gereifte Bier durch einen mit Kieselgur angesetzten Schichtenfilter. Allerdings soll bald auf Crossflow-Filtration umgestellt werden.

Der ganze Stolz von Herrn Gundel ist die fast vollautomatische Reinigungs- und Abfüllanlage. Wo früher die ganze Familie mit anpacken musste, erledigt dies nun sehr flexibel je nach Nachfrage eine Maschine. Anstatt das Geld für einen Porsche auszugeben, wurde lieber in den Ausbau und Modernisierung der Brauerei investiert. Nun können die Großeltern auch einmal entspannt in den Urlaub fahren.

Ein wichtiger Bestandteil der Abfüllanlage ist die automatische Qualitätspfrüfung der Bierflaschen, ob sich unter Anderem noch Reste von Reinigungsmitteln oder andere Bestandteile in der Flasche befinden. Die Abfüllanlage hält bei Erkennen an und die Flasche wird manuell aussortiert. Schlussendlich verlässt diesen Raum das fertige Bier in Kästen oder Fässer abgefüllt und gelangt in den danebenliegenden Verkaufsraum.

Man merkt Herrn Gundel an, dass er sein Produkt liebt und will diese Faszination auch gerne an andere weitergeben. Dazu befindet sich im Keller der Gaststube ein Seminarraum, indem mit einer Braueule hin und wieder interessierten an einem Tag das Prinzip des Brauens näher gebracht werden soll.

Zum Abschied gab es noch ein Probesortiment verschiedener Gundel Biersorten mit. Dabei habe ich das Urhell gleich am Abend getestet. Das helle Bier hat eine feine Schaumkrone. Diese verbreitet schon ein gutes malziges leicht hopfiges Aroma in der Nase. Im Antrunk kommen die Malzaromen erst richtig zum Tragen. Eine leichte Süße schwingt dabei mit. Die Hopfenaromen halten sich dezent im Hintergrund und kommen so richtig erst beim Abgang zur Geltung. Die Rezens ist sehr angenehm und macht aus dem Bier ein sehr süffiges und leckeres Feierabendbier, das durchaus einen gewissen Wiedererkennungseffekt hat.

Ich bedanke mich noch einmal bei Herrn Gundel für die sehr interessante Führung durch seine Brauerei und wünsche ihm und der Brauerei Gundel, dass sie noch viele Generationen mit ihrem Bier aus unserer Region und darüber hinaus erfreuen kann.

Links:
http://www.brauerei-gundel.de/
https://www.google.de/maps/place/49%C2%B016’28.0%22N+10%C2%B055’41.0%22E/@49.274431,10.9275038,19z
https://de.wikipedia.org/wiki/Barthelmesaurach
https://de.wikipedia.org/wiki/Kammerstein
http://www.kaspar-schulz.de/de/innovationen/wuerze-nachverdampfung/system-schoko/system-schoko.html
https://prozesstechnik.industrie.de/aktuell/crossflow-filtration-von-bier/
https://www.brumas.com/brumas/

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