BR – Bayern erleben – Die bayerische Braukultur

Am 12.07.2021 um 21:00Uhr strahlte das BR Fernsehen die Dokumentation- „Die bayerische Bierkultur“ aus. Anhand von elf Stationen wird gezeigt, wie sehr Bier das Leben und die Kultur in Bayern geprägt hat und immer noch prägt.

  1. Bayern ist das Land der Braukultur und zu einem guten Bier gehört auch ein guter Hopfen. Dabei kommt 1/3 des Hopfens weltweit 50km nördlich von München aus der Hallertau, im Dreieck zwischen Regensburg, Ingolstadt und Landshut. Das Anbaugebiet umfasst 2400 km² und ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Dieser Hopfen wird in 120 Länder export und sorgte früher dafür, dass das Bier zum haltbar war und somit exportiert werden konnte. Die meisten Anbaubetriebe sind Familienbetriebe geblieben.
  2. Dieter Förster betreibt die Bierbotschaft in Nürnberg. Er sieht das bayerische Bier nicht nur als Getränk an, sondern als ein jahrhunderte altes Kulturgut und genussmittel. Dabei hat Franken die vielfältigste bayerische Brautradition und die größte Brauereiendichte Europas. In seinem Laden gibt es ausschließlich fränkische Landbiere aus über 30 Brauereien mit 150 Biersorten.
  3. Aiyng bei München hat eine Brauerei. Dort lebt Mareike Hasenbeck und ist Journalistin und Bierbloggerin. Am liebsten verkostet sie Biere in einem weinähnlichen Glas. Sie meint, dass viele junge Deutsche oft keine Lust mehr auf die fast gleich schmeckenden deutschen Pilsbiere haben und so greifen sie immer mehr zu den handwerklich (craft) gebrauten Bieren (Craftbeer). Für Sie bedeutet Craftbeer nicht unbedingt das Bier aus einer kleinen Brauerei, die seit jahrhunderten braut, sondern es ist eher eine Philosphie, über die Verwendung der Rohstoffe und was kann man alles daraus machen kann, um neue Geschmöcker zu produzieren. Dabei spielt auch das Reinheitsgebot eine Rolle, da es sehr viele Varianten von Zusammensetzung von Gerste, Hopfen und Hefe zulässt.
  4. Torsten Purat aus dem Dachauer Land ist Projektberater, braut Bier und betreibt einen Bierblog.
  5. Christian Meier (Da Huawa, da Meier und I) bei Landshut trinkt gerne einen Pfiff (Schnitt, 0,2L). Dazu gehört auch eine gute Brotzeit. Eines seiner Lieder heisst 1516 und ist ein handelt vom Reinheitsgebot zum 500. Geburtstag.
  6. In Neunhof bei Nürnberg ist die Brauerei Wiethaler. Für Frau Sabine Wiethaler-Dorn, 1962 eine der wenigen ersten Brauerinnen, fängt das Bierbrauen mit der Auswahl der richtigen Gerste an. Kräftiges dunkle malzige Gerste ist wichtig für das fränkische dunkle Landbier. Für Sie ist Bierbrauen kunstvolle liebevolle Handarbeit. Kunst eines Braumeisters ist es, nach Ihrer Meinung, verschiedene Malze mit verschiedenen Wasserzusammensetzungen zu 16 unterschiedlichen Biersorten nach dem Reinheitsgebot zu brauen. Die Seele des Bieres kommt über den richtigen Zeitpunkt der Hopfengaben dazu. Zutaten müssen aus der Umgebung kommen, so wie der Hopfen aus dem Nachbardorf. So kennt Sie ihre Lieferanten persönlich. Es ist ein kleines Konzert aus diesen wenigen Zutaten so viele verschiedene geschmacklich unterschiedliche Biere zu komponieren.
  7. Das Hofbräuhaus in München ist bekannt im In- und Ausland und hat 125 Stammtische mit 3000 Stammgästen. Die Stammgäste haben dabei die Möglichkeit ihren eigenen Bierkrug in eines der 616 Tresorfächer zu aufzubewahren. Manfred Rost hat sein eigenes Krugtresorfach seit 35 Jahren. Seit 1860 gibt es die eigenen Hofbräuhaus Steinkrüge mit dem Logo HB darauf. Davor war auf dem Zinndeckel lediglich ein B eingraviert. Für die Stammgäste ist der Steinkrug dem Glaskrug vorzuziehen, schon weil es länger kühl darin bleibt.
  8. In Schweinfurth bei Gerolzhofen betreibt Norbert Rumpel ein Bierkrugmuseum mit über 5000 Krüge. Angeblich sollen die ersten Krüge aus Keferloh bei München kommen, wo es einst einen grossen Markt gab. Die Quellen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellen für den Keferloher Markt einhellig einen deckellosen, geraden Bierkrug dar, der für den Konsum eines Trinkers ausgelegt ist. 1809 und 1811, führte die Verwaltung des Königreichs Bayern ein einheitliches Hohlmaß für Bier ein, die Münchner Maßkanne, auch Mass genannt, mit einem definierten Inhalt von 1069 ml ein. 19 cm Höhe bei 10,7 cm Boden- und 8,9 cm oberen Durchmesser und einem Volumen von 1100 ml. Wenn der Krug zum Spülen in Wasser getaucht wurde, nahm er Flüssigkeit auf, die anschließend beim Verdunsten den Krug kühlte. Da Irdengut (bei niedrigen Temperaturen gebrannte Keramik) nicht wasserdicht ist, waren die Krüge mit einer Bleiglasur überzogen und zwar auf der Innenseite und über den Rand nach außen bis etwa zum Henkelansatz. Er war geradwandig mit vereinzelten äußeren Dellen und inneren Spuren von der Herstellung, einem einfachen Henkel ohne Montageloch für einen Deckel. Mit der Reichseinigung 1871 ging die Zuständigkeit für Maße und Gewichte auf das Reich über. Auch in Bayern wurde so zwangsläufig der in Preußen bereits verbreitete Liter mit 1000 ml eingeführt.
  9. Familienbetrieb Öttinger Bier im Donauries ist mit seinen mehr als 1000 Mitarbeitern über Bayern hinaus bekannt und bietet das Bier konkurrenzlos günstig an. Dabei hilft unter Anderem der Verzicht auf Werbung und eigene Gastronomiebetriebe. Die Produktion ist dabei auf Automatisierung rationalisiert worden. Die Familie blickt auf eine lange Tradition der Brauereidynastien zurück, bis zum Ursprung 1731 im 11km entfernten Fürnheim. Dort entstammte die Famile Höhenbergers, die die Vorfahren der Famile Kolmars waren und immer noch den Brauereigasthof Forstquellbrauerei betreiben. Erst 1950 kamen die Familie nach Öttingen. Sie erkannten, dass die kleinen „TanteEmma“ Läden verschwanden und Supermärkte aufkamen. So belieferten sie grosse Lebensmittelketten und wuchsen dadurch. Ihr Spruch war, dass keiner gezwungen werden soll, ein teureres Bier zu kaufen, nur weil ein Brauer meint, sein Bier sei besser. Das Bier wird nach dem Reinheitsgebot in Öttingen und anderen Standorten gebraut und laut Ökotest auch mit sehr guter Qualität. Der Betrieb soll weiterhin in Familienhand bleiben.
  10. Bis ins Jahr 2000 arbeiteten 10000 Menschen für das grösste bayerische Stahlwerk Maxhütte an verschiedenen Standorten und war Schauplatz des weltweit einzigen Bierstreikes der Geschichte. Weil so viele Menschen dort arbeiteten, gab es auch sehr viele Brauereien dort. Die Arbeitsbedingungen mit 40-50°C waren sehr hart. Der Flüssigkeitsbedarf war sehr groß und Bier ist auch eine Brotzeit. Dieser wurde hauptsächlich mit Bier getilgt. Wegen der erhöhten Unfallgefahr durch den hohen Biergenuss, beschränkte die Geschäftsleitung das Bier auf einen halben Liter pro Tag. Deswegen kam es direkt zu einer Arbeitsniederlegung. Trotzdem wurde der Bierkonsum eingeschränkt, worunter auch die ortsansässigen Brauereien litten.
  11. Dorfen liegt im Landkreis Erding. Als der Prinzregent Luitpold Bayern und Kaiser Wilhelm II. das Deutsche Reich regierte kostete die Mass Bier 4 Pfennige. Deutschland war verschuldet und der Kaiser wollte eine Kriegsflotte bauen. So hat man Malz höher besteuert und somit stieg der Bierpreis der Mass Bier um 2 Pfennig. Die ansässigen Brauer erhielten Drohbriefe. Am 5.6.1910 hatten dann aufständige EInwohner eine Brauerei und eine Braugaststätte angezündet. Auch die dahinterliegenden Häuser der Armen hat es mit erwischt. Doch kaum hat der Bierkrieg begonnen, war er auch schon wieder vorbei. Der Preis wurde wieder auf den alten Preis gesetzt und der Aufstand ging als Dorfener Bierkrieg in die Geschichte ein. Später ist das Bier dann sowieso wieder ohne Aufstände teurer geworden.

Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hallertau
https://www.hopfenland-hallertau.de/
https://www.br.de/mediathek/video/bayern-erleben-doku-die-bayerische-braukultur-av:5fca50d02f760f00134af3a2
https://mediathekviewweb.de/
https://cdn-storage.br.de/MUJIuUOVBwQIbtCCBLzGiLC1uwQoNA4p_2iS/_-TS/_Avg9A4P5U1S/9688d31f-6b0c-4a18-82fe-89c067acc6fa_E.mp4
https://zwieselbrau.wordpress.com/2020/07/10/die-bierbotschaft/
https://www.google.com/maps/place/47%C2%B058’02.6%22N+11%C2%B046’31.2%22E/@47.9673785,11.7731441,17z
https://feinerhopfen.com/about/
https://hopfen-craft.de/author/tpurat/
https://www.christianmaier.net/kontakt/
https://www.brauerei-wiethaler.de/
https://www.google.de/maps/place/49%C2%B033’16.3%22N+11%C2%B013’47.0%22E/@49.5545325,11.2291783,136m
https://zwieselbrau.wordpress.com/2019/10/01/oktoberfest-und-hofbraeuhaus/
https://www.google.de/maps/place/48%C2%B008’25.8%22N+11%C2%B033’31.8%22E/@48.140496,11.55665,855m
https://www.hofbraeuhaus.de/de/hofbraeuhaus.html
http://www.bierkrugmuseum-geo.de/
https://www.google.de/maps/place/49%C2%B054’09.9%22N+10%C2%B020’44.9%22E/@49.9027439,10.3452584,133m
https://de.wikipedia.org/wiki/Keferloher
https://de.wikipedia.org/wiki/Irdengut
https://zwieselbrau.wordpress.com/2020/11/10/oettingen/
https://www.oettinger-bier.de/
https://www.google.de/maps/place/48%C2%B057’27.1%22N+10%C2%B035’57.9%22E/@48.954791,10.5949145,15.25z
https://www.forstquell.de/
https://www.google.de/maps/place/49%C2%B001’19.4%22N+10%C2%B031’26.8%22E/@49.0220605,10.5234557,271m
https://de.wikipedia.org/wiki/Maxh%C3%BCtte_(Sulzbach-Rosenberg)
https://www.google.de/maps/place/49%C2%B011’09.9%22N+12%C2%B006’41.6%22E/@49.1860688,12.1093472,17z
https://www.google.de/maps/place/49%C2%B012’11.9%22N+12%C2%B005’25.1%22E/@49.1908929,12.0784894,4074m
https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfen
https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfener_Bierkrieg
https://www.google.de/maps/place/48%C2%B016’21.7%22N+12%C2%B008’59.2%22E/@48.2726849,12.1475895,17z

Schreib was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.