Windischeschenbach und Flossenbürg

Ein Ausflug mit Kontrastprogramm, so war der Tripp in die Oberpfalz nahe der Grenze zu Tschechien. Eigentlich wollte ich nur ein paar gebrauchte 50L KEGs für den Brauverein-Schwabach e.V. abholen und dabei hab ich gleich die Gelegenheit genutzt auch einen geschichtlichen Ausflug anzuhängen.

Windischeschenbach ist bekannt für sein Zoiglbier. Zoigl ist dabei ein untergäriges Bier, das in einem Kommunbrauhaus gemaischt wird und dann an die einzelnen Brauer zur Vergärung verteilt wird. So versetzt jeder Zoiglbrauer noch seiner Würze seine eigene Geschmacksrichtung dazu.

Der Zoiglstern ist der typische Braustern, der dem Davidstern ähnelt. Die genaue Bedeutung ist heute unbekannt. Spekulationen gehen vom Alchemistenstern, als Hexagramm zum Schutz gegen Feuer bis zur Vereinheitlichung der drei Elemente Feuer, Wasser, Luft zu den Bierzutaten Malz, Hopfen, Wasser.

Der Ausschank des Zoiglbieres geht reihum. Sobald ein Kommunbrauer an der Reihe zum Ausschank ist hängt er einen Zoiglstern, eine Stange oder einen Besen raus. So kommt auch der Name Besenwirtschaft zustande.

An sehr vielen Häusern in Windischeschenbach und im Stadtteil Neuhaus finden sich die Zoiglsterne an den Häusern.

Gerade einmal sechs 50L Fässer passten in das Auto hinten rein.

In im Stadtteil Neuhaus steht auch ein Zoiglbrauerdenkmal.

Nicht weit weg davon ist ein Brauereimuseum.

Zur Geschichte der Deutschen gehört aber nicht nur der schöne Teil mit der Bier- und Brauhistorie, sondern auch ein dunkles Kapitel vom letzten Jahrhundert, das sich nicht unweit davon besichtigen lässt, die KZ Gedenkstätte Flossenbürg.

Das Tor zur Hölle.

Viele Gebäude des Lagers sind abgerissen, aber ihre Grundrisse sind noch ersichtlich.

Auf dem ganzen Gelände befinden sich Bilder aus der damaligen Zeit wieder mit ihren Erklärungen. Das Lager wurde 1938 errichtet und war ein Arbeitslager zum Abbau von Granit mit Zwangsarbeitern. In ihm wurde unmenschlicher Zwangsarbeit, Hunger, Willkür und Schikane die Vernichtung von Menschen einplante. Sie mussten dort für die wirtschaftlichen Ziele der SS unter Himmler in der DEST bis zum Tode arbeiten. Von den 100.000 Menschen, die darin untergebracht waren, starben 30.000 davon.

In den beiden bestehenden Gebäuden ist einmal die Geschichte der Berfreiung geschildert und wie es nach 1945 weiter ging, im anderen die Zeit währden des Lagerbetriebes und die Schicksale der Menschen, die dort untergebracht waren. Einer der berühmten Insassen, der auch dort hingerichtet wurde, war Dietrich Bonhoeffer.

Ist die Geschichte im dritten Reich nicht schon traurig genug, so ist die zweite Schande der Deutschen, dass sie die Täter nach dem 2. Weltkrieg nur sehr schleppend bis gar nicht verfolgt und verurteilt hatte. Viele Mörder SS Mitglieder und Helfer wurden zwar angeklagt, aber dann nur zu wenigen Jahren Haft verurteilt oder vorzeitig entlassen. Festgehalten wurden die Täter zumindest namentlich in den Braunbüchern.

So sah das Lager einst im Ausbau aus.

In diesem Raum wurden die ankommenden Häftlinge entmenschlicht.

In diesem Gebäude wurden die Menschen gesondert inhaftiert und gefoltert, um dann später an der Mauer erschossen zu werden.

Die Wachtürme zeigen auf, wie gross das Gelände ist.

Dahinter führen Treppenstufen in ein Tal.

Der Name ist Tal des Todes.

Das Schild verrät auch, warum es so heisst.

Hier wurden sehr viele gefangene erschossen und verbrannt.

Mit der Asche der Ermordeten wurde ein Hügel aufgeschüttet.

Erschießungsmauer.

Blick über das heute friedliche Tal. Vor 80 Jahren herrschte hier Tod und Verderben.

Für die ermordeten Juden wurde eine eigene kleine Halle errichtet.

Auf dem angrenzenden Hügel ist die ehemalige SS Unterkunft, von der man über das Lager schauen kann.

Auch wenn meine Generation und die Generation unserer Eltern mit der damaligen Zeit keine Schuld an den von unseren Vorfahren verursachten Schrecken haben, so ist es aber unsere Pflicht unser Erbe und Erinnerung daran zu erhalten, auch wenn es für manche Menschen unangenehm zu sein scheint. Diese Geschichte der NS Zeit gehört genauso zu mir, wie die Geschichte des Bieres in Deutschland. Es ist wichtig, dass es solche Museen gibt, die uns und zukünftigen Generationen eine Warnung sein sollen, dass so etwas jederzeit passieren und aus bisher einfachen, friedlichen Menschen Mörder werden lassen kann.

Links:
https://zoiglbier.de/die-brauer/windischeschenbach/
https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunbrauhaus_(Windischeschenbach)
https://windischeschenbach.de
http://fiedlschneider-zoigl.de/
https://www.google.de/maps/place/49%C2%B048’12.2%22N+12%C2%B009’19.3%22E/@49.8034007,12.154813,147m
https://de.wikipedia.org/wiki/Zoigl
https://zoiglbrauerei.de/
https://www.google.de/maps/place/49%C2%B048’01.6%22N+12%C2%B009’56.1%22E/@49.8004464,12.1633933,17z
https://www.google.de/maps/place/49%C2%B044’09.7%22N+12%C2%B021’23.2%22E/@49.7360358,12.3550908,589m
https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/
https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Flossenb%C3%BCrg
https://de.wikipedia.org/wiki/Braunbuch
https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Bonhoeffer
http://www.kpd-ml.org/doc/partei/braunbuch.pdf


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